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Die Bewohner des Nymphenburger Schlossparks

Bild: Pagodenburger See

 

 

Eine Oase der Ruhe und Erholung ist der Nymphenburger Schlosspark im Westen von München. Schloss Nymphenburg, die Sommerresidenz der bayerischen Herrscher, ist nicht nur berühmt für seinen herrlichen Festsaal, die Schönheitengalerie Ludwigs I., die spektakulären Prunk-Kutschen im Marstall oder die wohl älteste noch in Betrieb stehende Maschine der Welt, das Brunnenpumpwerk. Nein, es ist vor allem der Park, der viele zusätzliche Besucher lockt.

Bild: Kanadagans

Kanadagans (© Martina Gebert)

Der Nymphenburger Schlosspark ist ca. 180 Hektar groß und ein beliebtes Ziel für Städter auf der Suche nach einer Atempause in der grünen Lunge Münchens.

Nicht nur Spaziergänger und Jogger, sondern auch zahlreiche Tierarten schätzen die Ruhe des Gartens. Er bietet mit seiner reichen Flora ideale Lebensbedingungen für Tiere, die es sonst in einer Großstadt schwer haben. Rehe, Hasen und Marder fühlen sich ebenso wohl wie Frösche, Schmetterlinge und Heuschrecken. Auch zahlreiche Vogelarten sind hier heimisch.

 

 

Bild: Schwände vor Schloss Nymphenburg

Schwäne vor Schloss Nymphenburg
(© Rosenheimer Verlagshaus)

Besonders beliebt bei den Besuchern sind die Schwäne. Zusammen mit den zahlreichen Gänsen schwimmen sie majestätisch über die Seen im Park. Ihr ursprünglicher Lebensraum waren die kalten Gebiete des hohen Nordens. Sie kamen nur zum Überwintern in gemäßigtere Klimazonen. Heute sind sie hier auch im Winter heimisch geworden und aus Parks und Wasserlandschaften in Mitteleuropa nicht mehr wegzudenken. Schwanenpaare sind sehr treu und binden sich meist für ihr ganzes Leben an einen Partner. Im Frühsommer kann man die Paare im Park bei der Aufzucht ihrer Küken beobachten.

 

 

Bild: Eichhörnchen

Eichhörnchen (© Martina Gebert)

Einen besonderes geschäftigen Eindruck hinterlassen die zahlreichen Eichhörnchen, die überall im Park die Bäume auf- und abklettern. Sie lassen sich auch durch nahende Spaziergänger kaum von ihrer Suche nach verwertbaren Wintervorräten abhalten. Die Allesfresser vertilgen Haselnüsse, Bucheckern und was der Park so hergibt: Sogar Pilze, Jungvögel oder Eier stehen auf ihrem Speiseplan. Man kann im Nymphenburger Park sowohl rötliche als auch dunkelbraune Eichhörnchen beobachten.

Ein in Deutschland eher seltener Gast ist der Gänsesäger. Er gehört zu den Entenvögeln, ist aber größer als eine Stockente und seltener. Er steht auf der Liste der gefährdeten Tierarten.

Bild: Gänsesäger

Gänsesäger (© Martina Gebert)

Deshalb ist man auch besonders stolz, dass im Nymphenburger Schlosspark einige Paare leben, die regelmäßig Junge aufziehen. Wenn diese noch klein sind, lassen sie sich häufig von ihrer Mutter spazieren schwimmen. Den Namen Gänsesäger haben die Tiere von ihrem sägeartigen Schnabel.

Der natürliche Feind der Ente ist der Fuchs. Auch ihn gibt es im Park. Seit einiger Zeit lebt ein Exemplar in der Nähe der ehemaligen Ökonomie. Er lässt sich auch durch nahende Gärtner nicht vertreiben und scheint Gefallen daran gefunden zu haben, ihnen bei der Arbeit zuzuschauen. Leider ließ er sich aber nicht von uns fotografieren …

 

 

Bild: Kauz "Hugo"

Kauz Hugo
(© Bernhard Römmelt)

Ein langjähriger Bewohner des Parks scheint dagegen ausgeflogen zu sein. Kauz Hugo, der in einem alten Astloch in der Nähe des Badenburger Sees lebte, wurde schon lange nicht mehr gesehen. Ein junger Kauz soll aber schon an anderen Stellen im Park gesichtet worden sein. 

Käuze waren in früheren Zeiten äußerst unbeliebt, denn sie galten als Todesboten. Ihr Ruf, der wie "kju-wit" klingt, wurde als "Komm mit" gedeutet. Dies wurde vielen dieser Vögel zum Verhängnis: Sie wurden ans Hoftor genagelt, um den Tod zu vertreiben.

 

Bild: Seidenschwänze

Seidenschwänze (© Martina Gebert)

Einen ähnlich schlechten Ruf hatten die Seidenschwänze. Die schillernd bunten Singvögel brüten in Sibirien und Nordskandinavien und kommen nur in unregelmäßigen Abständen zum Überwintern nach Mitteleuropa.

Ihr Eintreffen fiel zufällig mit dem Auftreten von Epidemien und Krankheiten zusammen, weshalb sie im Niederländischen unter dem Namen "Pestvogel" bekannt sind. Seidenschwänze sind gesellig und treten in großen Schwärmen auf. Am Nymphenburger Schlosspark lieben sie vor allem das große Nahrungsangebot. Eine ihrer Lieblingsspeisen sind Misteln, die im Park an den Bäumen wachsen. 

Die Künstler des Parks sind die Spinnen: Die Seide ihrer Netze ist hochelastisch, wasserfest und reißt auch bei starken Belastungen nicht. Nicht einmal eine Stunde braucht eine Spinne für den Netzbau. Ist es gesponnen, muss sie nur noch warten, bis ihr ein Insekt in die Falle geht. Jedes Netz ist ein Kunstwerk auf Zeit, denn nachdem die Beute gefangen ist, wird es wieder abgebaut, um an einer anderen Stelle erneut gesponnen zu werden. Eine fleißige Spinne kommt so in einer Nacht schon mal auf drei Netze. Im Morgentau strahlen die Netze in den Bäumen und Wiesen des Parks.

Bild: Spinnennetz

Spinnennetz im Morgenlicht (© Bernhard Römmelt)

 

 

Dem aufmerksamen Spaziergänger wird nicht entgehen, dass die Luft im Park von zahlreichen "fliegenden Edelsteinen" erfüllt ist. Denn auch Libellen finden hier Dank der vielen Gewässer und der naturbelassenen Wiesen einen idealen Lebensraum.

Bild: Königslibelle

Königslibelle (© Martina Gebert)

Der Große Blaupfeil, verschiedene Heidelibellen, Pechlibellen, Federlibellen, die Gebänderte Prachtlibelle und die immer patrouillierende Königslibelle – viele Arten tummeln sich hier, und es gibt einiges zu entdecken. Dabei sollte man nicht nur übers Wasser oder in die Luft schauen; einige Arten – wie zum Beispiel der Blaupfeil – lieben es auch, sich auf den gekiesten Wegen zu sonnen.

Wer Glück hat, entdeckt dann sogar die seltene Kleine Zangenlibelle, eine gefährdete Libellenart aus der Familie der Flussjungfern (Gomphidae), der es scheinbar auch gut in Nymphenburg gefällt. Sie kommt an sauberen, warmen Fließgewässern oder Seeausflüssen vor und ist an der schwarz-gelben Zeichnung und den grünen Augen zu erkennen.

Bild: Kleine Zangenlibelle

Kleine Zangenlibelle (© Martina Gebert)

Die Männchen tragen außerdem eine markante "Zange" am Hinterleib, die der Art auch ihren Namen gab und sitzen gerne in Gewässernähe auf dem Boden, um auf ein Weibchen zu warten. Die Zangenlibelle fliegt von Ende Mai/Anfang Juni bis in den August hinein.

Und um auch gleich die häufigste Frage der jüngsten Besucher nach den "Hubschraubern" zu beantworten: Nein, sie beissen nicht!

 

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